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Das Pumpspeicherkraftwerk (PSKW) Tauernmoos im Stubachtal (Salzburg) wird errichtet, um nachhaltig erzeugten Strom aus regenerativen Quellen für den Bahnbetrieb bereitzustellen.
Das Pumpspeicherkraftwerk verbindet mit einem Höhenunterschied von ca. 220 m die beiden Speicherseen Weißsee und Tauernmoossee. Das System funktioniert wie eine großskalige Batterie: In Zeiten geringer Stromnachfrage wird Wasser in den höher gelegenen Speicher gepumpt, bei erhöhtem Bedarf wieder abgelassen und über Turbinen zur Stromerzeugung genutzt. Auf diese Weise können große Energiemengen effizient gespeichert und flexibel abgerufen werden. Die Inbetriebnahme ist aktuell im Jahr 2028 geplant.
Die Firma Dibit wurde beauftragt, den Kraftabstieg (Druckstollen mit vorgespannter Betoninnenschale) zwischen dem Weißsee und dem Tauernmoossee zu scannen. Der rund 1,6 Kilometer lange Abschnitt zwischen dem Absperrorgan am Weißsee und dem Kavernenkraftwerk weist einen Durchmesser von 5,2 m auf.
Ziel der Messung war die lückenlose Dokumentation der Betonoberfläche des Druckstollens in Form eines hochauflösenden 3D-Modells sowie detaillierter Orthofotos. Besonderes Augenmerk lag dabei auf der Erfassung und Analyse möglicher Fehlstellen wie Risse, Abplatzungen oder sonstiger Oberflächenveränderungen.
Zum Einsatz kam das Messsystem Dibit „Altira“, das mit 360-Grad-Rundumkameras ausgestattet ist und die gesamte Tunneloberfläche vollständig erfasst. Etwa alle 50 cm werden Bildaufnahmen erzeugt, die aufgrund der absoluten Dunkelheit im Tunnel mithilfe eines integrierten Blitzsystems aktiv ausgeleuchtet werden.
Durch photogrammetrische Prozessierung wird ein 3D-Modell berechnet, dessen Fototextur eine Auflösung von 1×1 mm pro Pixel aufweist. Dadurch können selbst Risse ≥ 0,3 mm erkannt und analysiert werden.
Die Messung wurde Mitte November 2025 talabwärts beginnend beim Absperrorgan am Weißsee durchgeführt. Hierfür musste die Altira in Einzelkomponenten zerlegt, über ein Mannloch in den Druckstollen eingebracht und vor Ort montiert, getestet und kalibriert werden. Aufgrund der steilen Neigung von ca. 15%, stellte insbesondere das Bremssystem erhöhte technische und sicherheitsrelevante Anforderungen. Nach Abschluss der Messung wurde das System am unteren Ende des Stollens wieder demontiert und über das Mannloch ausgebracht.
Der durchgeführte Scan liefert der ÖBB wertvolle Informationen über den Zustand des Druckstollens noch vor der Inbetriebnahme des Pumpspeicherkraftwerks. Darüber hinaus dient die Datengrundlage als langfristige Referenz: In den kommenden Jahrzehnten können Vergleichsmessungen durchgeführt werden, um Veränderungen der Betonoberfläche präzise zu erkennen, zu quantifizieren und frühzeitig zu bewerten.